Ratgeber

in Feld und Wald

Unsere Wildtiere brauchen Ruhe

Energie

Weil Wildtiere den Winter mit den vorhandenen Fettreserven überbrücken müssen, brauchen sie im Winter Ruhe und dürfen nicht gestört werden. Die Wintermonate von Dezember und – je nach Schnee – und Witterungsverhältnissen - bis und mit April sind aus wildbiologischer Sicht die Monate mit dem grössten „Stoffwechseltief“ für unsere einheimischen Wildarten. Das Wild reduziert in der Winterzeit die Körperaktivität auf das lebensnotwendige Minimum und verbraucht praktisch keine Energie. Die Bildung vom Geweih bei den männlichen Geweihträgern und die Entwicklung des Embryos beim weiblichen Wild benötigen zusätzliche Substanz. Wird Wild durch Menschen oder Hunde aufgeschreckt und muss fliehen, hat das fatale Folgen. Der Energieverschleiss erhöht sich und führt oftmals unweigerlich zum Tod. Deshalb gehören Hunde im Wildlebensraum an die Leine und der Mensch soll sich nicht abseits von Wegen und Pisten in die Wildlebensräume begeben.

 

Mein Hund jagt nicht

In jedem Hund, auch wenn er noch so friedlich und auch zivilisiert erscheint, steckt noch der Wolf. "Beutetiere" erlegen gehört zu seinen Aufgaben und seinen Triebhaftigkeiten, dieser Instinkt ist bei Hunden aber unterschiedlich stark ausgeprägt. Als Beutetiere fungieren sowohl Wildtiere als auch andere Haustiere. Es können ebenso rennende und spielende Kinder, Jogger, Langläufer, Radfahrer oder sogar Autos diesen "Jagdinstinkt" auslösen. Alles was sich bewegt kann zur Beute werden. Der Hund verfolgt, resp. hetzt die Beute um sie zu fassen und kann das betreffende Zielobjekt bedeutend verletzen oder sogar töten. Sollten Sie ahnen oder gar wissen, dass Ihr Hund seine "gute Erziehung" im "Jagdfall" vergessen wird, so nehmen Sie ihn beim Verlassen des Hauses an die Leine, denn im Winter halten sich Wildtiere auch in Dorfnähe auf. Ihr Hund entdeckt nämlich sehr viel schneller als Sie, ob "jagdbare Beute" in der Nähe ist. Alle frei lebenden Wildtiere müssen vor menschlichen Einflüssen und Hunden geschützt sein. Auch "erfolglose Jäger", also Hunde die das Wild nur ein Stück weit verfolgen, versetzen es in Stress und Todesangst. Das gehetzte Tier verbraucht sehr viele Energiereserven und muss sich diese wieder anfüttern, was gerade, oder vor allem, in der kalten Jahreszeit sehr schwierig oder gar unmöglich ist. Die Folge wird sein, dass es den Winter nicht überlebt.

 

Warum hält sich Wild auch in Dorfnähe auf

Die Natur hat das Wild ausgezeichnet auf die ernährungsarme Jahreszeit vorbereitet. Die Verdauungsumstellung bewirkt, dass es wenig Nahrung aufzunehmen braucht. Dies gilt solange, als das Wild im Wintereinstand Ruhe hat. Störungen jeglicher Art, welche das Wild in Bewegung bringen, haben panikartige Fluchten zur Folge, die sich in der Regel talwärts und bis in Dorfnähe abspielen können. Wenn das Wild dann durch falsch verstandene Tierliebe noch gefüttert und dadurch von der Rückkehr in seinen eigentlichen Einstand abgehalten wird, ist es eine Frage der Zeit bis es von Hunden gerissen wird oder durch „Falschernährung“ verendet. Überlassen Sie allfällig nötig werdende Notfütterungen der Wildhut und der organisierten Jägerschaft, sie wissen wie, wann, wo und womit dem Wild gegebenenfalls geholfen werden kann.

 

Verantwortung

Vermehrt sind in den letzten Wochen Wildtiere von hetzenden Hunden gejagt und gerissen worden. Sie als Hundehalter, bzw. als Hundeführer und Tierfreund tragen die Verantwortung, dass ihr Hund nicht in die Lage kommen kann, Wildtiere zu hetzen. Das heisst, dass Sie Ihren Hund gem. Art 30 Abs. 1 der Kantonalen Jagdverordnung im Wald und entlang von Waldrändern immer an der Leine zu führen oder angebunden zu halten haben, konkret bedeutet dies Leinenzwang. Wird dieser Grundsatz nicht eingehalten, hat die Polizeidirektion gem. Art. 30 Abs. 2 die Möglichkeit, wildernde Hunde durch die Jagdaufsichtsorgane oder patentierte Jäger abschiessen zu lassen. Lassen Sie es Ihrem geliebten Hund zu liebe nicht so weit kommen.

 

 Text: Ruedi Hauser, alt Jagd- und Fischereiverwalter

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