Naturlexikon

Wintereinstände

Wintereinstand der Rothirsche - Mehr Nahrung für Rothirsch und Co.

Es wird immer kälter und der Schnee hat die oberen Höhenlagen erobert. Und so haben die Hirsche wie jedes Jahr ihren Wanderstab gepackt und sind für die Wintermonate in talnahe Gebiete gezogen. Dort wurde auch im 2009 wieder von Förstern und Jägern die Nahrungsgrundlage für den Rothirsch und andere Tierarten verbessert.

Der Waldrand im Uschenriet bietet viel Nahrung u. Versteckmöglichkeiten Foto: B.Zweifel-Schielly)
Der Waldrand im Uschenriet bietet viel Nahrung u. Versteckmöglichkeiten Foto: B.Zweifel-Schielly)

Im Sommer halten sich die Hirsche meist oberhalb von tausend Höhenmetern auf. Dort haben sie ihre Ruhe, da Störungen durch den Menschen seltener sind als unten im Tal. Auf lichten Waldflächen sowie auf den Bergwiesen und Alpweiden finden sie reichlich zu fressen. Sobald aber in der Höhe permanent Schnee liegt, wandern die imposanten Tiere in Richtung Tal und beziehen ihre Wintereinstände. Die Nähe zu den Dörfern und dadurch vermehrte Störungen werden jetzt in Kauf genommen. Für ihr Überleben sind jetzt der Talgrund mit dem wenigen Schnee und die Wiesen dort als Nahrungsspender wichtiger.

 

Wiesengras und Bäumchen als Nahrung

Das Gebiet zwischen Ennenda und Sool östlich der Linth wird von vielen Rothirschen als Wintereinstand genutzt. In der kalten Jahreszeit strömen dort jeweils nachts die Hirsche, aber auch Rehe, auf die Talwiesen, beispielsweise im Uschenriet, um zu grasen. Tagsüber verstecken sie sich im Wald, um im Schutz der Bäume zu ruhen und zu fressen. Dabei knabbern sie auch an Sträuchern und Jungbäumen, welche aus dem Schnee ragen und damit als Nahrung gut zugänglich sind. Ein natürliches Verhalten und für die Natur als solches kein Problem. Aus forstwirtschaftlicher resp. menschlicher Sicht hingegen kann daraus in Schutzwaldgebieten wie ob Ennenda oder Sool eine Gefährdung für den Menschen entstehen. Nämlich dann, wenn dadurch zuwenig junge Bäumchen heranwachsen und so in Zukunft kein ausreichender Schutz mehr vor Lawinen und Felsstürzen gewährleistet ist.

 

Pflegemassnahmen im Vogelbödeli und Uschenriet

Die Förster übernehmen nun die komplexe Aufgabe, Pflegemassnahmen im Schutzwald durchzuführen, die das natürliche Nahrungsangebot für die Rothirsche und Rehe verbessern und sie so von den kostbaren Jungbäumchen „ablenken“. Basierend auf dem Wald-Wild-Konzept 2008 des Kt. Glarus wurde auch im 2009 wieder fleissig gearbeitet. Vielerorts lichtete man Waldbereiche aus, damit mehr Licht auf den Boden kommt. Dies führt zu einer ausgeprägteren Krautschicht und Baumverjüngung und damit mehr Nahrung für die Tiere.


In Ennenda wurden die Magerwiesen im Vogelbödeli unter tatkräftiger Mithilfe von Jägern von Gehölzen befreit. So wachsen sie nicht ein und bleiben den Rothirschen und Co. als Äsungsflächen erhalten. Als weitere Massnahme wurde der Waldrand im Uschenriet neu strukturiert. Bis zu 20 m breit und stufig hat man ihn gestaltet und mit zusätzlichen Sträuchern versehen. Nicht nur Rothirsche und Rehe finden dort jetzt reichlich Strauch- und Krautnahrung gekoppelt mit guten Versteckmöglichkeiten. Solche Waldrandbereiche sind auch für Vögel und Kleintiere wie beispielsweise Schmetterlinge wertvoller Lebensraum. Wer vom Restaurant Uschenriet Richtung Ennenda spaziert, kann rechter Hand diese Lebensraumaufwertung begutachten.

 

Ganz nah und doch fast unsichtbar

Schwieriger als die Pflegemassnahmen ist es, die Rothirsche in ihren Wintereinständen zu sehen. Am Tag bekommt man sie kaum zu Gesicht, da sie im Wald gut versteckt sind. Dorthin sollte man grundsätzlich im Winter nicht gehen, um die scheuen Tiere nicht zu stören.
Aber es gibt auch eine andere Möglichkeit als Sichtbeobachtungen, um den eleganten Hirschen nah zu sein. Sobald Schnee liegt, lohnt es sich, bei einem Spaziergang vom Gässlistein in Ennenda zum Restaurant Uschenriet oder auf der Strasse entlang von Ennenda nach Ennetrösligen Blicke nach rechts und links zu werfen. Oft kann man dort die 7 – 12 cm langen Hufabdrucke, die bohnenförmigen, rund 2 cm langen Kotbällchen oder die Scharrspuren entdecken, welche die Tiere in den Nächten zuvor im Schnee hinterlassen haben.

 

 

Text: Barbara Zweifel-Schielly, Naturzentrum Glarnerland, 10.12.2009

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