Naturlexikon

Wasseramsel

Die Glarner Wasseramseln brüten

Wasseramsel  Foto R. Meier
Wasseramsel Foto R. Meier

Kein anderer Singvogel ist so gut ans Wasser angepasst wie die Wasseramsel. Sie brütet bei uns von den Niederungen (Bilten) bis auf 2000 Meter über Meer z. B. auf der Chüetelmatt südlich vom Milchspühlersee oberhalb Diesbach.


Die Wasseramsel ist der einzige Singvogel, der schwimmen und tauchen kann, und sie tut es am liebsten im turbulenten Strom eines Bergbaches. Diesen gefährlichen und scheinbar kargen Lebensraum macht ihr keine andere Vogelart streitig, ausser vielleicht in tieferen Gegenden der Eisvogel. Das kalte, schnell fliessende und sauerstoffreiche Wasser beherbergt einen unglaublichen Reichtum an Kleinlebewesen, die ihr und den Fischen als Nahrung dienen und die sich ihrerseits hervorragend an die extremen Lebensbedingungen angepasst haben.


In den meisten Glarner Fliessgewässern fühlt sich die Wasseramsel sehr wohl und bestätigt damit die relativ gute Wasserqualität im Kanton. Somit leistet sie als Bioindikator gute Dienste. Ein Wasseramselrevier wird von den Besitzern vehement verteidigt und von den Artgenossen in der Regel akzeptiert. In der Linth beträgt ein Revier durchschnittlich 300 – 400 Meter je nach Nahrungsangebot. Wegen des Limmernkraftwerkes steht es mit den Kleinlebewesen im Bodenbereich der Linth aber nicht zum Besten. Sunk und Schwall bewirken, dass die Wasserlebewesen wie Eintags-, Köcher- und Steinfliegenlarven ständig abgedriftet werden. Selbst der Bachflohkrebsbestand ist eher bedenklich. Trotzdem hält sich die Wasseramsel auch in der Linth sehr gut. In den Bergbächen sind die Reviere meistens viel länger, so beansprucht ein Wasseramselpaar im Bächibach bei Luchsingen an die 600 Meter.
Die Wasseramsel ist ein Standvogel und bleibt das ganze Jahr über ihrem Bach treu. Nur ein Hochwasser oder eine geschlossene Eisdecke können sie vertreiben, doch kehrt sie so schnell wie möglich zurück. Hier findet sie alles, was sie zum Leben braucht, soweit der Bach sauberes Wasser führt und nicht zu einem Betonkanal oder einem traurigen Restwasserrinnsal degradiert worden ist.


Dr. J. Hegelbach vom Zoologischen Museum Zürich fand in einer langjährigen Studie unter anderem heraus, dass der Beginn der ersten Brut Ende Februar/Anfang März hochsignifikant mit der Wassertemperatur des Baches und somit mit dem Entwicklungsstand der Beutetiere korreliert. Die Wasseramsel brütet zudem heute einiges früher als noch vor 30 - 70 Jahren, was mit der Klimaänderung und der verstärkten menschlichen Nutzung der Fliessgewässer zusammenhängt.

 
Wasseramselnest                              Foto: R. Meier
Wasseramselnest Foto: R. Meier

Weitere Informationen zur Wasseramsel finden Sie auf der Homepage der Vogelwarte Sempach.

Text: Roland Meier, Glarner Natur- und Vogelschutzverein 

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