Naturlexikon

Nahrung für Tiere im Winter

In Winters Kühlschrank finden die Tiere meist genug Essbares

Foto M.Banzer
Foto M.Banzer

Wenn im Winter draussen klirrende Kälte herrscht, ist es wieder soweit: ganze Schwärme von Alpendohlen kreisen über Glarus, Kleinvögel besuchen eifrig unsere futterbestückten Vogelhäuschen und Rothirsche scharren in Dorfnähe auf schneebedeckten Wiesen nach Gras. Brauchen Wildtiere jetzt Futter von uns, damit sie nicht verhungern?

 

Im Winter ist die Nahrung für Wildtiere karg und schlecht zugänglich. Die Bäume tragen keine Blätter und Früchte mehr, auf den Wiesen ist das saftige Gras verdorrt, viele Beutetiere haben sich unauffindbar verkrochen und die spärlich vorhandene Nahrung ist oft unter einer Schneedecke vergraben. Einige Tierarten umgehen diesen Nahrungsengpass, indem sie den Winter durchschlafen, in eine Winterstarre verfallen oder in wärmere Gefilde wegziehen. Andere Tiere wie zum Beispiel der Rothirsch, das Reh und viele Vögel sind aber auch im Winter bei uns aktiv und müssen hier auf Nahrungssuche gehen. Zum Glück hat die Natur sie gut ausgerüstet für diese schwierige Jahreszeit.

 

Wildlebende Huftiere passen ihr Verdauungssystem an

Unsere grössten wildlebenden „Glarner“, die Rothirsche, Rehe, Gämsen und Steinböcke, passen ihre Verdauung jeden Herbst an die verdorrte und nährstoffärmere Winternahrung an. Zusätzlich drosseln Rothirsche und vermutlich auch die anderen Huftierarten im Winter stundenweise ihren Stoffwechsel, damit sie Energie sparen und weniger von der knappen Nahrung brauchen. So sind sie dem Winter alles andere als hilflos ausgeliefert und finden in der Regel selbst genug zu fressen für eine erfolgreiche Überwinterung.

 

Falsche Fütterung führt zu Störung, Stress und Schäden 

Viele Naturfreunde unterhalten auch im Glarnerland in bester Absicht Winter-Futterstellen für Rothirsche und Rehe. In den allermeisten Fällen braucht es diese aber gar nicht und oft schaden sie sogar. So werden die Tiere häufig schon durch das Herankarren des Futters in ihrem Lebensraum gestört, so dass sie ihren „Winter-Energiesparzustand“ nicht aufrecht erhalten können und gerade deshalb mehr Futter benötigen. Ausserdem können grosse Ansammlungen von Tieren um die Futterstellen zu sozialem Stress führen. Wird zu faserarme und energiereiche Nahrung, z.B. Kraftfutter, angeboten, nötigt diese die Rothirsche und Rehe vermehrt Bäume zu verbeissen oder zu schälen, um die für die Verdauung benötigten Fasern aufzunehmen. Der Konflikt mit der forstlichen Nutzung ist vorprogrammiert, insbesondere im Zusammenhang mit der Schutzwaldpflege. Viel wichtiger und sinnvoller als Zusatzfütterungen ist es daher, Rothirsche und ihre Verwandten möglichst nicht in ihrem Lebensraum zu stören und ihnen Ruhe zu gönnen.

 

Auch kleine Vögel sind winterfest

Aus naturschützerischer Sicht müssen auch Vögel im Winter nicht gefüttert werden. Es kann ab und zu sogar vorkommen, dass beim rege besuchten Vogelhäuschen Krankheiten übertragen werden und sich die Tiere zu stark an die menschliche Hilfe gewöhnen. Laut der Vogelwarte Sempach und dem Glarner Natur- und Vogelschutzverein ist aber für kleine Vögel in der Regel eine massvolle Winterfütterung nicht schädlich. Oft ermöglicht sie Tierfreunden und wissensbegierigen Kindern einmalige Beobachtungen. Wichtig ist, dass man richtig und massvoll füttert, also nur bei Dauerfrost oder bei geschlossener Schneedecke und jeweils auf morgens und abends beschränkt. Das Futter darf weder gesalzen noch gezuckert sein und nicht aus Brot bestehen, da dieses in den Vogelmägen aufquillt. Gar nicht füttern sollte man hingegen die Alpendohlen: Durch Futter angelockt tauchen sie in grosser Zahl auf und können dadurch Kleinvögel vertreiben und Schäden an Hausfassaden anrichten.

Gerne vermitteln wir Ihnen Merkblätter der Vogelwarte Sempach oder des Öko-Forums Luzern mit weiteren Infos zur Vogelfütterung (Kontakt).

Text: Barbara Zweifel-Schielly, Naturzentrum Glarnerland

 

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