Naturlexikon

Maikäfer

Das synchrone Leben der Maikäfer

Maikäfer flieg?

 

 

Das synchrone Leben der Maikäfer

Maikäfer                                                                  Foto: B.Zweifel-Schielly
Maikäfer Foto: B.Zweifel-Schielly

Wer hat sie nicht schon gesehen! Die etwas unbeholfen wirkenden, braunen Feld-Maikäfer, die sich ab und zu mit ihren Beinhaken in unserem Haar verfangen. Nachdem sie sich als Engerlinge jahrelang unter der Erde an Wurzeln satt gefressen haben, graben sich die behäbigen Flieger im Mai aus dem Boden. Nur etwa alle drei Jahre sieht man sie zahlreich, denn in einer Region entwickeln sie sich synchron, was zu sog. Käferjahren mit deutlich mehr fliegenden Tieren als in anderen Jahren führt. Die Ursache dafür kennt man nicht genau. Weil die Maikäfer durch den synchronen Zyklus jeweils gleichzeitig in grosser Zahl vorkommen, sind sie oft als Plage verschrien, da sie als Engerlinge Wurzeln schädigen und als ausgewachsene Tiere Laubbäume kahl fressen können. Man darf aber nicht vergessen, dass der Maikäfer für viele (zum Teil seltene) Tiere wie Fledermaus, Igel, Maulwurf, Spitzmaus, Wiedehopf, Ziegenmelker, Baumfalke, Fuchs und Dachs eine wichtige Nahrungsquelle darstellt.

 

Text: Barbara Zweifel-Schielly, Naturzentrum Glarnerland, 13.5.2008

 

 

 

Maikäfer flieg?

Verwechslungsgefahr: Die Engerlinge von Mai- und Rosenkäfer sehen sich sehr ähnlich und
sind schwer zu unterscheiden. Im Gegensatz zum Maikäfer-Engerling frisst der Rosenkäfer-
Engerling moderndes Pflanzenmaterial und ist daher ein gern gesehener Gast in Gärten und
auf Komposthaufen (Foto: Naturzentrum Glarnerland).

 

Pünktlich Anfang Mai bevölkern die Schokoladen-Maikäfer wieder die Confiserien. Doch ihre lebenden Artgenossen lassen sich dieses Jahr im Glarnerland kaum blicken. Trotzdem ist der Maikäfer fast im ganzen Tal präsent: Seine Larven, die Engerlinge, leben in der Erde von Wiesen, Weiden und Gärten und sogar von Blumentöpfen. Sie sind der Schreck von vielen Bauern und Hobby-Gärtnern, aber auch Nahrung von Igel, Wiedehopf und Dachs.

 

Die Entwicklung der Maikäfer dauert in der Regel drei bis vier Jahre und verläuft in den einzelnen Regionen synchron: Die Tiere wachsen alle gleichzeitig zu Käfern heran und schwärmen an milden Maiabenden aus. Mit dem Flugjahr 2008 startete im Glarnerland ein solcher neuer Lebenszyklus: Die Weibchen legten letztes Jahr ihre Eier im Boden ab und noch im gleichen Sommer schlüpften ihre Larven, die Engerlinge. Den Winter überdauerten die Engerlinge in tieferen Bodenschichten. Während sie frisch geschlüpft noch kaum Schäden anrichteten, begannen die Maikäfer-Larven diesen Frühling mit Heisshunger zu Fressen, was da und dort unverkennbare Spuren in Kulturland und Gärten hinterlässt.

 

Ausgewachsene Maikäfer sind dieses Jahr im Glarnerland rar – im Gegensatz zu ihren Larven!  Foto: © Roland Bollinger / PIXELIO
Ausgewachsene Maikäfer sind dieses Jahr im Glarnerland rar – im Gegensatz zu ihren Larven! Foto: © Roland Bollinger / PIXELIO

Gefürchtet...

In der Landwirtschaft ist der Maikäfer-Engerling ein gefürchteter Bodenschädling: Engerlinge treten oft in Massen auf, fressen die Wurzeln von Pflanzen ab und richten dadurch teilweise grosse Schäden zum Beispiel in Wiesen und Weiden an. Auch in diesem Jahr muss im Glarnerland mit Schäden gerechnet werden. Am stärksten betroffen ist das Glarner Hinterland. Hier setzen Landwirte ein biologisches Bekämpfungsverfahren ein. Der Pilz Beauveria brongniartii infiziert die Engerlinge tödlich, um die Schäden in Grenzen zu halten.

 

... und geliebt

Maikäfer und ihre Engerlinge sind aber nicht nur Pflanzenschädlinge, sondern auch wertvolle Nahrungsgrundlage für zahlreiche Tiere: Für Igel, Dachs, Maulwurf, Spitzmäuse, Wiedehopf und viele mehr sind die grossen Maikäfer-Larven ein lohnender Leckerbissen. Die stattlichen Maikäfer selber werden wiederum von Fledermäusen, Baumfalken, Krähen und sogar Füchsen als Beutetiere gejagt und spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in der Nahrungskette.

 

Nächstes Flugjahr 2011

Doch bevor sie wieder als Maikäfer fliegen und manch hungrigen Tierbauch füllen, werden die Glarner Engerlinge nach diesem Sommer noch einen Winter im Boden verbringen. Im Herbst 2010, nach der Verpuppung, schlüpfen dann die Käfer. Diese überwintern abermals in der Erde und fliegen erst im darauffolgenden Frühling – 4 Jahre nach der Eiablage – in grosser Anzahl aus. Das nächste Maikäfer-Flugjahr ist im Glarnerland somit im Jahr 2011 zu erwarten.

 

Text: Claudia Zweifel, Naturzentrum Glarnerland

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