Naturlexikon

Lebensräume

Alpheuet im Glarnerland

Altholzinseln - Paradies für Specht und Co 

Linthausweitung  im Chli Gäsitschachen

Waldreservat Büttenen   Mehr

Foto: F.Marti
Foto: F.Marti

 

 

 

Alpheuet im Glarnerland

 

Alpheuen ist mit viel Körperarbeit verbunden.                                                      Foto: Selina Rhyner
Alpheuen ist mit viel Körperarbeit verbunden. Foto: Selina Rhyner

Alle Jahre wieder, zwischen Juli und September, steigen die Alp- und Wildheuer hinauf ins Berggebiet. Hoch über dem Tal mähen sie in schweisstreibender Arbeit stotzige Flächen und bewahren damit die ebenso mageren wie artenreichen Bergwiesen als Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten.

 

Früher galt das Motto „dr G‘schneller isch dr G‘schwinder“. Schon in der Nacht stiegen Wildheuer in die Berge, um im Tagesgrauen die besten Plätze mähen zu können. Heute ist das Wildheu nicht mehr so begehrt: das Mähen ist mit viel Aufwand verbunden und für das Vieh steht genügend anderes Futter zur Verfügung. Nur auf wenigen extensiv genutzen Flächen wird im Glarnerland noch „wildgheuet“, so etwa im Klöntal. Häufiger verbreitet ist das Alpheuen. Für den Artenreichtum der Bergwiesen sind beide Pflegeformen von grosser Bedeutung.

Wild- und Alpheu

Während Wildheu-Gebiete von jedermann gemäht werden dürfen, werden Alpheu-Gebiete ausgelost oder zugeteilt. Die grössten Alp- und Wildheugebiete im Kanton Glarus befinden sich auf der Bischofalp in Elm, der Planggen in Glarus oder der Alpgmach in Näfels. Geschnitten wird jährlich oder im Zwei- bis Dreijahresrhythmus. Der Zeitpunkt hängt von der Höhenlage der Fläche ab: auf der Bischofalp in Elm (1500-2000 m ü. M.) dürfen die Wiesen ab dem 15. Juli gemäht werden. Je nach Hanglage und Zugänglichkeit kommen beim Heuen Motormäher oder Sense zum Einsatz. Ist das Gras getrocknet, wird es ins Tal gebracht. Besonders eindrücklich für Zuschauer ist der Abtransport als Heubündel, welche an Seilen ins Tal sausen. Dort dient das Wild- und Alpheu auf den Heimbetrieben als leckere Futterergänzung für das Gross- und Kleinvieh

Eindrückliche Begegnung mit dem Apollo-Schmetterling.                                          Foto: Fridli Marti
Eindrückliche Begegnung mit dem Apollo-Schmetterling. Foto: Fridli Marti

Blumen- und Tierreichtum

Alp- und Wildheuflächen sind sehr wertvolle Gebiete. Unsere Vorfahren haben sie dem Wald durch roden abgerungen. Auf den mageren Böden entwickelten sich mit der Zeit artenreiche Wiesen, welche zum Beispiel dem Apollo-Schmetterling und einer Vielzahl anderer Tierarten als Lebensraum dienen. Für den grossen Blumen- und Tierreichtum ist die Pflege dieser Magerwiesen aber unerlässlich: Ohne regelmässigen Schnitt verbuschen Wiesen und werden allmählich wieder zu Wald. Nur eine nachhaltige und extensive Bewirtschaftung bewahrt die riesige Artenvielfalt. Dies ist sowohl aus naturschützerischer wie auch aus touristischer Sicht erwünscht: Für die heimische Flora und Fauna sind Bergwiesen unersetzbare Lebensräume, und mancher Wanderer freut sich über die Blumenpracht mit Berghähnchen und leuchtend roter Feuerlilie am Wegrand.

Text: Claudia Zweifel, Naturzentrum Glarnerland, 31.8.2009

 

 

 

Altholzinseln - Paradis für Specht und Co

Stehender Totholzbaum im Waldreservat Gandwald  (Foto: C. Zweifel).
Stehender Totholzbaum im Waldreservat Gandwald (Foto: C. Zweifel).

Im Kanton Glarus wird die Artenvielfalt im Wald gezielt gefördert. Grundlage ist eine Programmvereinbarung mit dem Bund (NFA) für die Jahre 2008-2011, welche zum Beispiel die Schaffung von Alt- und Totholzinseln vorsieht. Diese liefern Baumhöhlen als Unterschlüpfe für Spechte und Co., sind Entwicklungsgebiet von vielen Insektenarten und spielen eine wichtige Rolle für das ökologische Gleichgewicht im Wald und bei der Waldverjüngung.

 

Wälder sollen Dörfer vor Lawinen schützen, der Rohstoff Holz liefert aber auch Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Im kantonalen Waldplan, genehmigt vom Regierungsrat im Jahre 2004, werden den Wäldern Hauptaufgaben zugewiesen (Schutz-, Nutz- oder Naturwald). Auf dieser Basis hat die Abteilung Wald des Departements Bau und Umwelt mit den einzelnen Waldeigentümern Programmvereinbarungen für die Jahre 2008-2011 ausgearbeitet, von den Waldeigentümern und dem Vorsteher des Departements Bau und Umwelt wurden sie unterzeichnet. Darin wurden die Schwerpunkte der Waldbewirtschaftung festgelegt und die NFA-Programme mit dem Bund werden umgesetzt. Bei der Funktion des Waldes als Lebensraum für Tiere und Pflanzen spielen Altholzinseln eine wichtige Rolle.

 

Förderung der Artenvielfalt

Die Bäume im Wirtschaftswald werden bereits im „Jugendalter“, also vor Erreichen ihrer natürlichen Altersgrenze geschlagen. „Altholzinseln“ hingegen sind Gruppen von älteren Bäumen, welche als „Inseln“ mitten im Schutz- und Wirtschaftswald stehen gelassen werden. Nach ihrem Zerfall übernehmen andere geeignete Flächen ihre Aufgabe. Altholzinseln erhöhen die Strukturvielfalt im Wald, helfen das ökologische Gleichgewicht zu wahren und fördern die Bildung von Totholz. Es sind ungenutzte Flächen, welche aber nicht die Grösse und den Schutzstatus von eigentlichen Waldreservaten erreichen. Trotzdem dienen sie gezielt der Erhaltung und Förderung verschiedener Tier- und Pflanzenarten, vor allem wenn sie über die ganze Waldfläche verteilt vorkommen.

 

Alt- und Totholz als Lebensspender

„Biotopbäume“ mit Höhlen, Faulstellen oder abgestorbene Holzteilen sind für die Artenvielfalt von grosser Bedeutung. Höhlenbrütende Vögel wie Hohltauben und Schwarzspechte finden hier Nistmöglichkeiten und baumbewohnende Säugetiere wie das Braune Langohr oder der Baummarder Tagesschlaf-Verstecke. Aber auch abgestorbene Bäume sind wertvoller Bestandteil der Altholzinseln. So sind rund zwei Drittel der 100 im Wald lebenden Vogelarten und eine Vielzahl an Insekten auf Totholz angewiesen. Durch das Totholz vermehrt einfallendes Licht fördert ausserdem lichtbedürftige Pflanzenarten in der Krautschicht. Zudem sind die Keimbedingungen auf Moderholz für Fichte, Tanne, Arve und Vogelbeere.

 

 

Fledermausarten wie das Braune Langohr  (Foto: www.fledermausschutz.ch) finden in solchem Tot- oder Altholz Baumhöhlen, welche geeignete Tagesschlafverstecke bieten.             Fledermausarten wie das Bra
Fledermausarten wie das Braune Langohr (Foto: www.fledermausschutz.ch) finden in solchem Tot- oder Altholz Baumhöhlen, welche geeignete Tagesschlafverstecke bieten. Fledermausarten wie das Bra

 

 

 

Linthausweitung im Chli Gäsitschachen

Frisch "gebaggerte" Linthaufweitung im Chli Gäsitschachen im März 2010 (Foto: F. Marti
Frisch "gebaggerte" Linthaufweitung im Chli Gäsitschachen im März 2010 (Foto: F. Marti

Um die Bevölkerung vor Hochwassern zu schützen, wurde die Linth vor 200 Jahren durch einen historischen Bau unter der Leitung von Hans Konrad Escher zwischen Mollis und dem Zürichsee in ein Korsett gezwängt und gebändigt: der Linth-Escherkanal entstand. Nun entspricht dieser den  heutigen Ansprüchen nach Hochwassersicherheit und Ökologie nicht mehr. Im Projekt "Linth 2000"  werden dementsprechend zwischen 2008-13 nicht nur die Dämme saniert und teils neu gebaut, sondern der Linth-Lebensraum auch stellenweise wieder ökologisch aufgewertet.

Eine dieser Lebensraumaufwertungen nimmt nun seit dem 24. Februar 2010 im Chli Gäsitschachen bei Mollis ihren "natürlichen Gang".  Durch Dammverlegung auf der rechten Seite wurde das Linthbett verbreitert und aufgeweitet. Der Fluss erhält dadurch etwas von seinem ursprünglichen, natürlichen Charakter zurück und kann sich seinen Weg in diesem Bereich selbst suchen. Dies formt wertvolle Lebensräume und eine grosse Strukturvielfalt für Tiere und Pflanzen: langsam und schnell fliessende Bereiche mit Kies- und Sandinseln und Auenwald entlang des Flusses. Nicht nur für Bachforelle, Eisvogel, Weiden und Co., sondern auch für naturerholungssuchende Spaziergänger wird der Chli Gäsitschachen so zu einer Bereicherung!

Weitere Informationen zum Projekt und zu Linthführungen unter www.linthwerk.ch.

 

Text: Barbara Zweifel-Schielly, Naturzentrum Glarnerland, 16.3.2010

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